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THEATERBOX

Theater fördert viele Talente

 

LESEPROBE und Grundinfo

 


Des Kaisers neue Kleider

Märchen von Hans Christian Andersen
Dramatisiert von Christina Jonke

Für Spielerinnen und Spieler ab 8 Jahren
Spieldauer cirka 15 - 25 Minuten

© Christina Jonke


Figuren:


- Kaiser
- Marianne
- Doris
- Minister 1
- Minister 2
- Jakob
- Bub



Inhalt:

Eine arme Stadt wurde einst von einem gar eitlen Kaiser regiert. Eines Tages maß ihm der Schneider ein ganz besonde¬res Gewand an – er ließ den Kaiser nackt auf die Straße gehen. Des Kaisers Beamte hatten nicht den Mut zu sagen, was sie sahen, sondern belogen den Kaiser, um nicht als dumm zu gelten und um sich das eigene Amt nicht zu verscherzen. Denn es hieß, dass die Kleider nur von Personen gesehen werden konnten, die ihres Amtes würdig waren. Dieser Betrug wurde durch das Rufen eines Kindes aufgedeckt, das laut verkündete, der Kaiser habe keine Kleider am Leibe.



1. Szene

Stadtkulisse / Menschenmenge. Alle Figuren stehen auf dem Marktplatz und unterhalten sich durcheinander, man versteht nur Sprachfetzen. Alle: Der Kaiser kommt, macht Platz! Der Kaiser geht über den Markt, mit herrlichem Gewand, das Volk klatscht und jubelt!

Marianne: Wir haben jetzt schon wenig Brot und wenig Wein, wie sollen wir denn noch mehr von unserem Hab und Gut dem Kaiser geben und noch mehr Steuern zahlen?
Doris: Wenn das so weitergeht, muss ich in ein anderes Dorf ziehen. Schon jetzt kann ich meinen Kindern nicht mehr genug zu Essen geben. Es ist zu viel, was der Kaiser von uns verlangt!
Bub: Aber der Kaiser ist doch immer nett zu uns!
Marianne: Das verstehst du noch nicht, Bub. Dazu bist du noch zu klein ...
Bub: Aber ...
Marianne: Was glaubst du, warum dein Vater jeden Tag in den Wald geht ... und erst ganz spät, in der finsteren Nacht, wieder heim kommt? Warum glaubst du, dass er gar keine Zeit für dich hat?
Bub: Ich weiß nicht ...
Marianne: Na, weil dein Papa mehr als die Hälfte von dem Geld, welches er verdient, dem Kaiser geben muss!
Bub: Und was macht der Kaiser dann mit so viel Geld?
Doris: Er kauft sich Stoffe und lässt sich neue Kleider machen... teure Kleider!
Marianne: Dabei hat er schon so viele.
Doris: Alle zwei Stunden kommt er durch die Stadt und zeigt sich in einem neuen Gewand und wir müssen hungern... Wir müssten es dem Kaiser sagen, dass wir selbst kaum noch etwas zu Essen haben und wir nicht mehr so viel Geld abgeben können.
Marianne: Wenn du das tust, musst du ins Gefängnis. Du kannst doch einem Kaiser nicht sagen was er zu tun hat. Nein, wir können nur zuschauen, wie es weitergeht und hoffen, dass er vernünftig wird. Er ist schließlich auch nur ein Mensch.
Doris: Ja, ja aber was für einer! Einer, der sich selbst den ganzen Tag vor dem Spiegel hin- und herdreht, sich anschaut und sich bewundert.
Bub: Da kommt der Jakob Heugel, schaut nur, wie er wieder voll bepackt ist!
Marianne: Der kann Einem auch Leid tun, der alte Mann. Immer wieder, jeden Tag, muss er sich neue Muster für die Stoffe ausdenken, damit der Kaiser sich neue Kleider machen lassen kann.
Doris: Ach dem, dem geht’s doch gut! Der hat genug Geld! Schließlich braucht der Kaiser ihn. Dem geht weder die Arbeit noch das Geld aus.
Bub: Hallo, Jakob!
Jakob kommt zur Menschengruppe, setzt seine schwere Last ab.
Marianne:
Na, Jakob? Hast du wieder schwer gearbeitet?
Jakob: Das kannst du mir glauben, Marianne!
Marianne: Sind diese Stoffe alle für den Kaiser?
Bub: Nur für den Kaiser? Alle? Wow!
Jakob: Ja, die ganze Nacht habe ich gewebt! Irgendwann bin ich auf dem Webstuhl dann eingeschlafen. Heute tut mir der Rücken weh. Au weh!
Doris: Du Armer!
Jakob: Gestern war des Kaisers Wache bei mir und hat diese Stoffe bestellt und heute muss ich sie noch vor Mittag abgeben. Wenn nicht, würde man mich einsperren, hat die Wache gesagt.
Doris: Trotzdem hast du wenig Grund dich zu beklagen, Jakob. Dir geht’s doch noch am besten. Wir, wir haben schon nicht mehr genug zu essen, nur weil der Kaiser so viel Geld verschwendet ... für seine immer neuen und immer kostbareren Kleider!
Jakob: Ich weiß, Doris, ich weiß ... Aber was soll ich tun?
Marianne: Nur du könntest etwas tun, Jakob, nur du! ... Du webst einfach keine Stoffe mehr. Dann kann er sich auch keine neuen Gewänder mehr nähen lassen.
Jakob: Blödsinn! Außerdem würde er sich die Stoffe dann eben von weit her kommen lassen ... alles kostet noch mehr.
Bub: Lieber Jakob, bitte hilf uns, uns allen, bitte, bitte, bitte!
Doris: Ja, Jakob. Hilf uns und ich helfe dir! Ich helfe dir in der Webstube! ... Ich kehre und schrubbe dein ganzes Haus, wenn du es nur schaffst, dass der Kaiser nicht mehr so viel Steuern einhebt.
Jakob: Ach! Ich verstehe euch ja ... nur zu gut, verstehe ich euch. Mir wird es auch schon zuviel.
Marianne: Also überlegst du dir etwas?
Jakob: Das will ich tun, Marianne, ja. Aber versprechen kann ich nichts und es wird sicherlich eine Zeit dauern.
Bub: Lieber Jakob, erzählst du uns wieder Geschichten? Dürfen wir wieder einmal zu dir in die Webstube kommen?
Jakob: Aber sicher, kommt mich nur besuchen! Du weißt doch, dass ich euch immer gerne um mich habe, Bub! Und ich kenne noch so viele Geschichten, da wird euch schon nicht langweilig werden.
Bub: Morgen!
Jakob: Ja, kommt nur morgen. Aber jetzt muss ich los, ins Schloss, die Stoffe abgeben. Es wird ja gleich Mittag! Jakob geht. Das Volk murmelt und alle hoffen auf den Jakob.
Alle (durcheinander): Der Kaiser kommt.

2. Szene

In der Weberei. Jakob sitzt in der Weberei und singt.

Jakob: Da sitze ich jetzt ganz allein und webe die schönsten Stoffe, nur damit der Kaiser froher Dinge ist. Die Stoffe sind ihm wichtig, und sein Volk vergisst er. Was soll ich da nur machen? Ich webe und denke und denke und webe und webe und denke ... Ich muss etwas Großartiges weben, etwas ganz Feines, etwas, wodurch der Kaiser merkt, dass es so nicht mehr weitergeht. Dass es falsch ist, so viele Kleider zu haben und so ein furchtbar trauriges Volk. Er muss wollen, dass sein Volk fröhlich ist. ...
....




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